17TEN

Kunst & Kultur

Francois Villon


François Villon


Lesung mit musikalischer Begleitung

Des ganzen Lebens schwarze Litanei,
vom Mutterleibe bis zum Todesschrei.

Lesung aus den Nachdichtungen des großen Dichters des
15. Jahrhunderts, musikalische Umrahmung mit alten Liedern
und Instrumentalstücken.

Walter Orleth: Lesung, Perkussion
Ewald Kogler: Drehleier, Gitarre, Stimme

Aufgrund der teilweise derben Ausdrucksweise ist die Veranstaltung für
Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet!

François Villon wurde 1431 in Paris geboren, als Sohn eines mittellosen,
frühverstorbenen Vaters und einer ärmlichen Mutter. Von dem vermögenden
Kaplan Guillaume de Villon, der aus dem Dorf Villon in der Bourgogne stammte,
verdankte François seine Bildung. Er absolvierte die propädeutischen Studien an
der Artistenfakultät und schloss sie mit dem Magistergrad ab.
Später, nach seinem weiterem Theologie- oder Medizinstudium, das er nicht
mehr erfolgreich beendete, schloss er sich zumindest gelegentlich kriminellen
Gruppen an, wahrscheinlich sogar der gefürchteten Mafia der „Muschelbrüder“
(Coquillards), die in der Bourgogne, Champagne und Île de France operierte.
Villon hatte das Studieren satt und trieb sich immer mehr in Kneipen und bei
Dirnen herum.
Sein Gaunerleben brachte ihn sogar wegen Diebstahls und Raufereien
mehrfach ins Gefängnis. 1463 entging er nur durch Begnadigung dem Galgen.
Er wurde aus Paris ausgewiesen, trieb sich in den Provinzen umher und dichtete
für Fürsten und Grafen, aber auch für Räuber und Huren seine unvergänglichen
Lieder und Balladen.

Villons Spur verliert sich in den letzten Lebensjahren.
Wahrscheinlich ist er 1463 gestorben.

Villons Hauptwerk wurde vom Umfang her, aber auch dank der Vielfalt und
Vielschichtigkeit der behandelten Themen, das "Testament", in das er
zahlreiche Balladen einfügte. H. C. Artmann lässt es in seiner Nachdichtung
mit den Worten beginnen:

Dreisk joa bin i oed,
und scho gibt's in da wöd
ned a'r anzex losta
fon den was e ned
bis zum auschbeibm foi waa.
Dreißig Jahre bin ich alt,
Und schon gibt es in der Welt
Nicht ein einziges Laster,
Von dem ich nicht
Bis zum Erbrechen voll wäre.

Die Lesung soll nun, anhand Villons Nachdichtungen von Paul Zech und
H. C. Artmann, dem Zuhörer ein wenig das Zeitbild Frankreichs des 15.
Jahrhunderts näherbringen.
Umrahmt wird die Lesung mit alten Liedern und Instrumentalstücken aus
dem 13. bis 18. Jahrhundert. Trommeln, eine Gitarre und eine Drehleier
werden dazu verwendet.
Für die Drehleier, französisch Vielle à Roue (wörtlich Rad-Fidel), gibt es
noch heute in Frankreich eine starke Tradition. Sie wurde zu Beginn des 18.
Jahrhunderts von höfischen Instrumentenbauern gebaut. Die ersten
schriftlichen Hinweise auf Drehleiern in Ungarn finden sich im 16. Jahrhundert,
die ältesten ungarischen Abbildungen des Instrumentes stammen aus der Zeit
der Kuruzenkriege Ende des 17. Jahrhunderts. Die älteste nachgewiesene
Form der Drehleier stammt aus dem 12. Jahrhundert.


Kunst & Kulturbeitrag: 15 €